Belgien
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Belgien
Belgien (ndl.: België, franz.: Belgique), offiziell Königreich Belgien (ndl.: Koninkrijk België, franz.: Royaume de Belgique) ist eine föderal organisierte parlamentarische Monarchie in Westeuropa. Es grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und an die Nordsee. Mit den Niederlanden und Luxemburg zusammen bildet Belgien die Beneluxstaaten.
Geographie
Höchste Erhebung: Signal de Botrange (694 m) - (im Hohen Venn)
Höchst gelegene Ortschaft: Mürringen + Rocherath (655 m).
Belgien ist ein relativ flaches Land, nur im Südosten gibt es die Ardennen. Die Küstenlinie erstreckt sich auf 72,3 km. 25 Prozent der Landfläche werden für Landwirtschaft genutzt. Ungefähr 85 Prozent aller Belgier leben in Städten. Laut den Berechnungen des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat Belgien eine Fläche von 33.990 km².
Flüsse
Gileppe
Göhl (frz. Geule; ndl. Geul)
Inde
Leie (frz. Lys)
Maas (frz. Meuse; ndl. Maas)
Ourthe
Sambre (ndl. Samber)
Schelde (frz. Escaut)
Semois
Weser (frz. Vesdre, ndl. Vesder)
Ijzer (frz. Yser)
• Demer
• Albertkanal
Bevölkerung
Im Vielvölkerstaat Belgien leben französische Wallonen, niederländische Flamen und westdeutsche Mittelfranken (Ripuarische Rheinfranken) zusammen. Die weitere Wohnbevölkerung besteht aus zugewanderten Menschen aus vielen Teilen Europas (insbesondere aus Polen und Italien) und Marokko.
Etwa drei Viertel der Belgier sind Katholiken.
Siehe auch: Liste der Städte in Belgien
Geschichte
Als Provinz Belgica schon im römischen Reich unter diesem Namen bekannt, erlebte das heutige Gebiet Belgien viele Herrschaften. Es war im Mittelalter Teil des fränkischen Reiches und wurde bei dessen Teilung ebenfalls geteilt; es zerfiel in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Die einzelnen Territorien wurden später vom Haus Burgund regiert, das 1477 von den Habsburgern beerbt wurde. Zunächst regierte der spanische Zweig der Habsburger, danach der Österreichische. 1815, auf dem Wiener Kongress, wurde Belgien den Niederlanden zugesprochen.
1830 kam es zu einem Aufstand, und Belgien wurde unabhängig. Es wurde eine konstitutionelle Monarchie eingerichtet und Leopold von Sachsen-Coburg zum ersten König ernannt. Leopold II., Sohn des ersten Königs, erwarb den Kongo in Afrika, zunächst als Privatbesitz, später als Kolonie, was der königlichen Familie und dem Land Reichtum brachte. Der Kongo wurde auch bekannt durch die dort ausgeübten Verbrechen der belgischen Besatzer. 1960 wurde die Kolonie Kongo in die Unabhängigkeit entlassen.
Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Land in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich einbezogen und von den Deutschen zügig eingenommen. In den Stellungskriegen in Belgien wurden einige Städte in Flandern zerstört. Als Ausgleich dafür annektierte Belgien nach dem Krieg die mehrheitlich von Deutschen bewohnten Gebiete der Region um Eupen und Malmedy, die des Weiteren eingeforderten Gebiete bis zum Rhein hin wurden dem Staat allerdings nicht übertragen; die vertraglich vereinbarte Volksabstimmung in Eupen-Malmedy wurde vom belgischen Staat nicht durchgeführt. Bis 1922 war es verboten, niederländisch zu sprechen. Im zweiten Weltkrieg verhielt sich das Land anfangs neutral, wurde aber wieder als Durchgangsland nach Frankreich benutzt und besetzt und gelangte so in den Einflussbereich der Hitler-Diktatur des Deutschen Reiches. Bis zur Befreiung durch die Westalliierten hatte es - wie halb Europa - unter der Willkürherrschaft der Nazis und die jüdische Bevölkerung unter ihrer Verfolgung zu leiden; Städte und Landschaften blieben aber weitgehend von Kriegszerstörungen verschont. Lediglich im Osten des Landes, im Gebiet der deutschen Wohnbevölkerung, vor allem um die Stadt Sankt Vith, kam es zu schweren Zerstörungen infolge der Ardennenoffensive im Winter 1944-1945.
Die bereits seit 1944 geplante Zoll- und Wirtschaftseinheit von Belgien, den Niederlanden und Luxemburg wurde im Haager Vertrag am 3. Februar 1958 vereinbart und ist am 1. November 1960 in Kraft getreten (Benelux-Staaten). Belgien gehörte mit zu den Gründerstaaten der EWG und spielt seither eine wichtige Rolle im europäischen Einigungsprozess. Das Land wurde Sitz internationaler Organisationen, wie der NATO und der Europäischen Union.
Siehe auch: Liste der belgischen Ministerpräsidenten, Belgisch-Kongo
Politik
Belgien ist eine bundesstaatlich organisierte parlamentarische Monarchie.
Der Föderalstaat wird aus dem König und 15 vom Parlament betrauten Mitgliedern gebildet (Exekutive), sowie dem Bundesparlament (Legislative). Das Parlament besteht aus der Abgeordnetenkammer mit 150 Mitgliedern und dem Senat mit 71 Mitgliedern. Während die Kammer Entscheidungsgewalt in Haushaltsangelegenheiten und der Vertrauensfrage hat, hat der Senat neben einer Beratungsfunktion Entscheidungsgewalt bei Interessenskonflikten zwischen den regionalen Parlamenten.
Die föderalen Institutionen sind verantwortlich für Justizwesen, Finanzpolitik, innere Sicherheit, Außenpolitik, Landesverteidigung und soziale Sicherheit.
Parteien: (die meisten Parteien sind entweder flämisch/niederländisch oder französisch/wallonisch/deutsch)
Ecolo, wallonische Grüne (zurzeit 4 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
Groen!, ehemals Agalev, flämische Grüne
VLD, Vlaamse Liberalen en Democraten, flämische Liberale (zurzeit 25 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
MR, Mouvement Réformateur, oder Partei für Freiheit und Fortschritt, wallonische Liberale (zurzeit 25 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
Vivant, Bundesweite Liberale
CD&V, Christen-demokratisch & Vlaams, flämische Christdemokraten (zurzeit 21 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
CDH, Demokratisches und Humanistisches Zentrum, wallonische Christdemokraten (zurzeit 7 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
SP.a, Sociaal Progressief Alternatief, flämische Sozialisten (zurzeit 23 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
PS, Sozialistische Partei, wallonische Sozialisten (zurzeit 25 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
Vlaams Belang, ehemals Vlaams Blok, flämische Nationalisten (zurzeit 18 Sitze in der Abgeordnetenkammer)
FN, Le Front National, wallonische Nationalisten (zurzeit 1 Sitz in der Abgeordnetenkammer)
N-VA, Nachfolgeparteie der Volksunie, Bündnis mit CD&V (zurzeit 1 Sitz in der Abgeordnetenkammer)
SPIRIT, Nachfolgeparteie der Volksunie, Bündnis mit SP.a
Belgien ist von starker innerer Zerrissenheit vor allem zwischen der flämischen und wallonischen Volksgruppe geprägt. Tendenziell nehmen die Spannungen eher zu und radikale Parteien, die eine Auflösung des Gesamtstaats befürworten, wie etwa das Vlaams Belang, gewinnen mehr und mehr an Bedeutung.
Politische Gliederung
Belgien ist seit 1993 ein Bundesstaat, bestehend aus den Regionen Flandern und Wallonien sowie der Hauptstadtregion Brüssel. Darüber hinaus bestehen die drei (Sprach-)Gemeinschaften (Flämische Gemeinschaft, Französische Gemeinschaft Belgiens und Deutschsprachige Gemeinschaft). Regionen und Gemeinschaften haben unterschiedliche Zuständigkeiten und sind territorial nicht deckungsgleich.
Im Einzeln gilt folgendes:
Die Flämische Gemeinschaft umfasst die Region Flandern sowie die niederländischsprachigen Institutionen in der Hauptstadtregion Brüssel.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft umfasst den östlichsten Teil der Region Wallonien.
Die Französischsprachige Gemeinschaft umfasst die Region Wallonien im Übrigen sowie die französischsprachigen Institutionen in der Hauptstadtregion Brüssel.
Die Regionen Flandern und Wallonien sind ihrerseits jeweils in fünf Provinzen unterteilt.
Flandern:
Antwerpen (Hauptstadt Antwerpen)
Limburg (Hasselt)
Ostflandern (Gent)
Flämisch Brabant (Leuven)
Westflandern (Brügge)
Wallonien:
Henegouwen (Bergen)
Lüttich (Lüttich)
Luxemburg (Provinz) (Arlon)
Namur (Namur)
Wallonisch Brabant (Wavre)
Die unterste Ebene der Selbstverwaltung bilden die 589 Gemeinden.
Infrastruktur
Belgien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und Westeuropa.
Der wichtigste Hafen ist Antwerpen an der Schelde, einer der größten und wichtigsten Seehäfen der Welt.
Der wichtigste Flughafen des Landes ist Zaventem.
Belgien besitzt ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz, welches wie auch alle anderen Straßen in Belgien komplett mit Straßenlaternen ausgestattet und nachts beleuchtet ist.
Die staatliche Eisenbahngesellschaft heißt NMBS/SNCB und betreibt eines der am dichtesten ausgebauten Bahnnetze weltweit.
Belgien besitzt einige Atomkraftwerke. 1999 wurde ein Atomausstieg vom Parlament beschlossen.
Wirtschaft
Verteilung der erwerbstätigen Bevölkerung nach Sektoren (2000):
Agrarwirtschaft: 2,0 %
Industrie: 23,4 %
Dienstleistungssektor: 74,6 %
Der Tourismus spielt in Belgien eine große Rolle. Neben den beliebten Ferienbadeorten an der belgischen Nordseeküste (Bredene, De Panne, Nieuwpoort, Oostende u. a.), sind auch die Ardennen eine viel besuchte Urlaubsregion. Von der belgischen Nordseeküste aus kann man viele Tagestouren unternehmen, etwa in die Nachbarländer Frankreich und Niederlande oder Großbritannien. Auch Städtetouren nach (Brüssel, Brügge, Hasselt, Gent, Antwerpen u. a.) sind empfehlenswert.
Kultur
Belgische Persönlichkeiten
Die Hl. Gudula von Brüssel und Eibingen ist Patronin der Stadt Brüssel und belgische Nationalheilige.
Bekannte Maler sind Peter Paul Rubens, Pieter Bruegel der Ältere, James Ensor und der Surrealist René Magritte.
Weltweit bekannte Schriftsteller sind Charles DeCoster, Émile Verhaeren, Maurice Maeterlinck und Georges Simenon.
Weitere Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts sind der Sänger und Chansonnier Jacques Brel, der Jazz-Musiker Toots Thielemans, der Actionfilm-Held Jean-Claude Van Damme und die Schauspielerin Jasmin Schwiers.
Bekannte Sportler sind die Tennisspielerinnen Kim Clijsters und Justine Henin-Hardenne, die Fußballer Jean-Marie Pfaff und Marc Wilmots.
Siehe auch: Liste bekannter Belgier
Gastronomie
Eine typische belgische Küche gibt es nicht, da sie sehr stark der französischen Küche ähnelt. Es wurde aber eine weltbekannte Erfindung in Belgien gemacht, die häufig falsch eingeordnet wird: Pommes Frites. Viele Belgier haben Zuhause eine Friteuse stehen und essen meistens mindestens einmal in der Woche Fritten. Die so genannten Brüssel'sche Waffeln oder auch Belgischen Waffeln sind auch sehr typisch für Belgien. Des Weiteren ist Belgien für seine Pralinen bekannt, welche zur Weltspitze gehören. Eine weitere Besonderheit ist das belgische Bier, das im Gegensatz zu deutschem gewöhnlich wesentlich mehr Alkohol enthält und sehr unterschiedlichen Geschmack haben kann. Dieses Bier ist auch im Ausland beliebt. In Belgien gibt es über 500 Sorten Bier
Sport
Der beliebteste Sport in Belgien ist Fußball. Die 1. belgische Liga ist eine der ältesten der Welt. In den 70 und 80 Jahren des letzten Jahrhunderts gehörte das belgische Nationalteam (auch: Rote Teufel) zur Internationalen Spitze. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat sich Belgien nicht qualifiziert.
Belgien hat auch einige Berühmtheiten im Radsport hervorgebracht. So gehörten und gehören Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck, Johan Museeuw, Tom Boonen sowie Peter van Petegem zu den besten Fahrradfahrern der Welt.
Comics
Comics sind generell sehr populär in Belgien, es stammen auch viele berühmte Comiczeicher und Autoren aus Belgien. Die berühmtesten sind Jean Graton (Michel Vaillant), Morris (Lucky Luke), Hergé (Tim und Struppi), Peyo (Die Schlümpfe und weiteres) und Franquin (Spirou und Fantasio, Gaston und Marsupilami.
In Belgien ist es auch möglich, Comic als Studienrichtung an Kunsthochschulen wie der Königlichen Akademie für bildende Kunst und dem Institut Saint-Luc in Brüssel zu studieren.
Sonstiges
Sankt Nikolaus (6. Dezember) ist in manchen Regionen weitaus wichtiger als Weihnachten. In vielen Familien gibt es zu Sankt Nikolaus die Geschenke und zu Weihnachten wird nur zur Messe gegangen.
Sommerzeit: vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober, GMT + zwei Stunden.
Bildung
Das Bildungssystem ist in Belgien auf Grund der Autorität der einzelnen Gemeinschaften unterschiedlich, das Hochschulwesen wurde aber im Zuge des Bologna-Prozesses weitgehend auf zwischengemeinschaftlicher und europäischer Ebene vereinheitlicht. Die föderale Instanz von Belgien ist zuständig für die Pensionen der Lehrer, das Fastlegen des Minimumwissens um ein Diplom zu bekommen und für die Lehrpflicht (vom 6. bis zum 18.Jahr).
Belgien hat 11 Universitäten: Niederländischsprachig: Katholische Universität Löwen (Katholieke Universiteit Leuven - KUL), Universität Gent, Universität Antwerpen (UA), transnationale Universität Limburg (Universität Hasselt - UHasselt & Universität Maastricht - UM/Niederlande), Freie Universität Brüssel (Vrije Universiteit Brussel - VUB), Katholische Universität Brüssel (Katholieke Universiteit Brussel - KUB); Französischsprachig: Université Libre de Bruxelles, Facultés Universitaires Saint Louis à Bruxelles, Université de Liège, École Polytechnique de Mons, Facultés Universitaires Notre-Dame de la Paix Namur, Université Catholique de Louvain. Neben den Universitäten existieren in den drei Gemeinschaften zahlreiche Hochschulen (Hautes Ecoles/Hogeschool) und mehrere Kunsthochschulen (Ecoles Supérieures des Arts).
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